A Plague Tale – Innocence II Test

Genre: Abenteuer, Action, Gewalt Erschienen am: 13.05.2019

Im Abenteuerspiel “A Plague Tale – Innocence” entwickelt von den Asobo Studios und publiziert von Focus Home Interactive müssen zur Zeiten der großen Pest und dem hundert jährigen Krieg zwei Geschwister vor der Inquisition fliehen. Spannend, Düster, Brutal, wundervolle Story… doch kann das Spiel die hohen Erwartungen befriedigen?

Die Flucht vor der Inquisition

Geschwisterbande: Amicia kümmert sich gut um ihren Bruder, kann aber auch schon mal recht Streng werden

Für Amicia lief es eigentlich super, als ihr Vater sie auf die Jagd mitnimmt. Doch schon bald muss sie feststellen dass ihr Leben gewaltig auf den Kopf gestellt wird. Erst muss sie mit ansehen wie ihr Hund bei lebendigem Leibe gefressen wird und dann stürmen auch noch feindliche Ritter das Landhaus ihrer Familie um sie und ihren Bruder zu bekommen.

Doch was will die Inquisition von den Beiden? Dies werdet ihr natürlich im Spiel erfahren, denn kein Handlungsstrang bleibt Links liegen.

Auf der Flucht kommen Amicia und Hugo an verschiedenen Orten vorbei, auf der Suche nach Heilung müssen sie sich allerdings allerhand Gefahren erwehren. Schleichen ist in dem Spiel besonders wichtig, da Amicia nur mit einer Schleuder bewaffnet ist und es nicht möglich ist im Nahkampf zu kämpfen wird Amicia ins Gras beißen sobald ein Gegner sie erreicht hat oder sie ein gezielter Pfeil erwischt.

Dennoch geht die größte Gefahr nicht von den Inquisitionsrittern aus!

Rattenplage

Ruhige Momente gibt es zahlreich, doch auch diese treiben die Charakterentwicklung voran.

Es gab schon eine ganze Menge Spiele die mit Licht und Dunkelheit gespielt hatten. Doch “A Plague Tale – Innocence” bringt dies alles noch auf einen höheren Level. Im Laufe des Spiels bekommt Amicia immer mehr Alchemistische Rezepte, so dass sie sich vor den Wesen die sich in der Dunkelheit verbergen schützen kann. Und es sind viele… verdammt viele. Auch wenn die menschlichen Gegner Waffen besitzen ist die größte Gefahr in Frankreich zu dieser Zeit die Ratten. Vor diesen schützt man sich am besten durch Feuer, indem man sie mit Fackeln und Lampen zurück treiben muss. Diese Gefahr schafft das Spiel sehr gut mit einzubinden, denn überall wo Ratten auftauchen sieht es sehr eklig aus. Schwärme von tausenden von Ratten sind in hier keine Seltenheit. Auch Rätsel sind in diesem Spiel vorhanden, die meistens immer was mit Licht, Schatten und Feuer zu tun haben.

Bruderherz

Die größte Stärke in diesem Spiel ist die Verbindung zwischen den beiden Hauptprotagonisten. Beide haben sich in Hugo’s 5-jährigen Leben niemals gesehen und so merkt man auch gleich dass das Vertrauen noch nicht so wirklich da ist seitens des Kleinen. Dennoch bleibt er meistens immer an Amicias Seite, wobei es auch sehr häufig reibereien bekommt, wenn er zum Beispiel nach vorne rennt um in den Feldern zu spielen. Das ganze Spiel über zieht sich die Beziehung zwischen den Beiden immer weiter zusammen. Wie im richtigen Leben ist die Beziehung zwischen Bruder und Schwester schwer, man versucht sich zu beschützen, doch wie in jeder Familie gibt es mal Streitigkeiten. Dies bringt das Spiel sehr gut rüber. Sehr häufig kommt es in dem Spiel vor dass ich Tränen in den Augen hatte wegen der traurigen Geschichte der Beiden. Die Geschichte passt und hält ihren Spannungsbogen durchgehend aufrecht. Dennoch atmet man durch und fühlt mit den Charakteren mit, wenn sie sich endlich mal wieder in Sicherheit befinden.

Doch es gibt auch häufiger Sequenzen wo man seinen Bruder zurück lassen muss. Bei Kapiteln wo man mit ihm unterwegs ist kann man dies tun um ein wenig schneller zu handeln. Geht man dann zu weit von ihm weg bekommt er Angst und man hat nur eine kurze Zeitspanne um zu ihm zurück zu kehren.

Die Gefährten

Hugo wird nicht der einzige sein, der euch begleitet.

Im Laufe der Story werden die Beiden noch auf weitere Charaktere treffen die Ihnen Tatkräftig zur Seite stehen. So gibt es Sequenzen wo man bis zu vier Leuten unterwegs sind. Super ist dabei aber auch immer wieder das die Charaktere seltener ständig stumm sind. Sind keine Gegner in der Nähe und man gerade auf einem Weg läuft unterhalten sich die Protagonisten sehr häufig. Dabei geht es nicht immer nur um ihre Flucht, sondern auch häufig um einfache Gespräche. Dies sorgt meistens dafür dass die Charaktere eine Tiefe bekommen, die ich bei sehr wenigen Spielen bisher sehen konnte. Keiner der Charaktere ist Sinnlos in dem Spiel. Jeder hat seine Aufgaben und ihr Handeln ergibt deutlich Sinn. Sei es die Gefährten oder die Inquisition.

Gewaltige Tiefe durch Grafik und Sound

Die große Stärke die dieses Spiel besitzt ist das Zusammenspiel von Grafik und Sound. Eine bedrohliche Dunkelheit, ein Schlachtfeld, ein Bauernhof voller abgeschlachteter Schweine wirkt einfach bedeutend bedrohlicher wenn auch noch feindliche Wachen und sogar Ratten eine Bedrohung darstellen. Die Bedrohung wirkt noch größer, wenn man sogar so verzweifelt ist, dass man im wahrsten Sinne des Wortes “Über Leichen” geht. Zusätzlich zu dieser bedrückenden Atmosphäre wirken Gespräche von Wachen, das piepsen der Ratten in der Dunkelheit, das krächzen der Krähen als eindeutige Bedrohung. Man fühlt sich in diesem Spiel nicht wohl, und das ist im positiven Sinne gemeint, denn das Spiel möchte diese Bedrohung so gut rüberbringen wie es geht. Und zu einer Zeit, wo Pestkranke auf den Straßen verreckten, die Franzosen im Krieg mit England lagen und dann die Entwickler auch noch zwei hilflose Kinder auf diese Reise schicken, die natürlich Angst haben bei denen was sie erwartet… ja… da fühlt man mit den Kindern richtig mit. Das Spiel zeigt die Schrecken der Pest und des Krieges sehr gut und bringt diesen Unbehagen an den Spieler weiter. So muss ein Spiel dieser Art sein!

Ja – die Entwickler schaffen es die Immersion aufrecht zu erhalten. Von Anfang bis zum Ende.

Die deutsche Synchronisation ist super gelungen und man merkt das hier gute Sprecher am Werk waren. Auch wenn im englischen Original die Stimmen mit französischem Akzent gesprochen wurden fehlt dieser Akzent leider in der deutschen Fassung vollkommen. Schade eigentlich bei einem Spiel welches in Frankreich spielt. Dennoch sehe ich dies nicht als so tragisch an, da die Sprecher allesamt eine ausgezeichnete Leistung an den Tag legen.

Ratten scheuen das Licht. Mit der richtigen Taktik könnt ihr die Ratten als Waffe gegen die Inquisition einsetzen.

Alchemie, Schleuder und Inventar

In ihrem Abenteuer lernt Amicia eine ganze Menge an alchemistische Rezepten. So gibt es Feuerbomben, die Fackeln, Stroh und Holz anzünden können, damit man zum Beispiel Ratten von diesem Ort vertreiben kann, andere alchemische Bomben sorgen dafür dass man Ratten in ein gewisses Gebiet hetzen kann und somit menschlichen NPCs das Fürchten lernen kann. Andere wiederum löschen Flammen, töten eine Rattengruppe oder sorgt dafür dass man menschliche Gegner schlafen legen kann.

Jegliche Alchemieflaschen kann man mit der Schleuder, Amicias einzige Waffe auf Gegner oder weiter entferne Ziele schleudern, Steine gibt es ebenfalls.

Alarm: Dieser Ritter der Inquistion hat uns entdeckt. Verstecken oder Kämpfen? Die Entscheidung liegt ganz bei euch, doch Gegner solltet ihr nicht zu nahe kommen lassen, denn ein Schlag bedeutet bereits euer Ende!

Interessant: Ein Rezept sorgt dafür dass Gegner wenn sie am Kopf getroffen werden ihren Helm absetzen müssen, denn Steine alleine dringen durch den Helm nicht durch. Somit muss man auch auf die Gegner achten und seine Taktik von Gegner zu Gegner anpassen.

In den meisten Gebieten gibt es mehrere Lösungswege, so kann man statt zu kämpfen die Wachen auch einfach ablenken um sich dann vorbei zu schleichen. Dies ist ein weiterer Punkt welcher mir in diesem Spiel sehr gut gefällt.

An Werkbänken kann Amicia mit gefundenen Gegenständen ihre Ausrüstung verbessern, so kann sie dann besser Schleichen, ihre Schleuder oder sogar ihre Taschen verbessern, um mehr tragen zu können.

Jede Spielmechanik ist stimmig umgesetzt

Besonders die Rätsel gefallen einen recht gut. Man muss die Augen offen halten um weiter zu kommen. Ob Kohlepfannen die man von den Decken schießen muss um sich Stück für Stück durch die Rattenhorde weiter zu bahnen oder das verschieben von Wagen um auf eine zu hohe Ebene zu kommen. A Plague Tale schafft den Spagat zwischen Story, Schleichen, Kämpfen und Rätsel sehr deutlich. Wenn auch keines der Elemente stark herausfordernd ist schafft es das Spiel was es will, eine Story zu erzählen ohne das man stundenlang an Rätsel oder Kämpfen festsitzt.

Rattiges Fazit

Welche Rolle wird diese Festung in dem Spiel wohl einnehmen?

“A Plague Tale – Innocence” ist das was es werden wollte. Ein Spiel mit genialer Story, die häufiger mal ein AHA-Moment rein bringt. Nichts in dem Spiel wirkt wirklich aufgesetzt, die Rätsel sind recht logisch ins Spiel eingebunden, insbesondere wenn man in Situationen kommt wo man Ratten isolieren muss um zu einem Gegenstand zu gelangen. Das Spiel schafft es, dass der Spieler mit den Charakteren mitfiebert – und dies richtig gut. Lediglich der Wiederspielwert dürfte geringer sein, da das Spiel einem roten Faden folgt und man nicht wirklich Entscheidungsfreiheiten hat mit Ausnahme wie man bei Gegnergruppen vorgeht.

Gerade hatte der Inquisitionsritter noch eine Laterne in der Hand. Aus der Hand geschossen ist er ein leichtes Ziel für die Rattenschwärme

Aber: So wie man Filme immer und immer wieder schauen kann, so ist es bei mir auch nicht unwahrscheinlich das ich nach dem Ende des Spiels dieses auch irgendwann wieder heraus holen werde. Denn hat ein Spiel eine gute Story, welches wie ich finde so Filmreif ist, dann werde ich es bestimmt nochmal durch zocken.

Für mich ist “A Plague Tale – Innocence”, derzeit ein guter Anwärter auf das Spiel des Jahres 2019.

Das Spiel wartet mit schicken Umgebungen auf. Von den tiefsten Rattentunneln bis hin zu sagenhaften Ausblicken bietet das Spiel so ziemlich alles

Ihr wollt ein wenig in das Spiel reinschnuppern? Dann schaut doch mal bei unseren Youtube-Kanal vorbei, wo wir gerade ein Live-LP von dem Spiel am Laufen haben

A Plague Tale: Innocence

44,99 € Stand: 14. Mai 2019
9.5

Grafik

9.4/10

Sound/Musik

9.4/10

Bedienung

9.1/10

Story

10.0/10

Pros

  • Filmreife Geschichte ohne Leerlauf
  • Hochgradige Spannung
  • Einfache Steuerung

Cons

  • Wiederspielwert für einige eventuell gering