Der Kampf gegen Artikel 13 – Twitch CEO steigt mit ein.

Das Thema, das wohl die letzten Wochen und Monate die Streamer und Content Creator des Internets am meisten beschäftigt hat ist die Überarbeitung der EU-Verordnung zum Urheberrecht und speziell dessen Artikel 13. Mit #SafeYourInternet hat bereits YouTube den Kampf gegen den umstrittenen Artikel eröffnet und seine Community losgeschickt. Nun schaltet sich auch Twitch in den Kampf mit ein, durch einen Brief von CEO Emmet Shear.

Solltet ihr in den letzten Wochen irgendwo zwischen hier und einem Planeten in einer gescheit weit entfernten Galaxie gelebt haben, hier noch einmal um was es eigentlich in Artikel 13 geht:
Der Entwurf für Artikel 13 ist der sogenannte Upload-Filter, durch den die Betreiber von öffentlichen Seiten wie YouTube, Twitch, Facebook und Co dazu verdonnert werden dafür zu sorgen, dass auf ihren Seiten nichts erscheint was urheberrechtlich geschützt ist. Um den Grund für die Lawine, die YouTube und Co lostreten zu verstehen, müssen wir kurz zum amerikanischen Urheberrecht ausschweifen.

Dort gibt es die beiden Prinzipien des “Fair Use” und des “Safe Harbor”. “Fair Use” bedeutet, dass sie urheberrechtliches Material benutzen dürfen, sofern es zum unterrichten, veranschaulichen, parodieren, verdeutlichen oder sonstiges genutzt wird. Deshalb können gerade die amerikanischen YouTuber so viel geschütztes Material in ihren Videos benutzten, weil es unter “Fair Use” fällt.
“Safe Harbor”, also sicherer Hafen bedeutet, dass man auf Plattformen wie eben YouTube gegen Urheberrechtsverletzung sicher ist, da die Besitzer nur auf die Plattform zugehen, diese aber nicht rechtlich Belangen können. Die Plattformen sind lediglich dazu verpflichtet, des Urheberrechtsverstoß zu entfernen. Und genau hier schreitet nur Artikel 13 ein.

Denn durch den neuen Artikel 13 können eben solche Plattformen wie YouTube, Facebook und Co direkt dafür zur Rechenschaft gezogen werden, wenn bei ihnen auf der Seite geschütztes Material erscheint. Jedes Video, jeder Meme, jede Musik oder jedes Foto, bei dem nicht 100% klar ist von wem es stammt bzw ob die Rechte/die Erlaubnis beim User liegen ist somit illegal und muss entfernt werden, sonst hagelt es Klagen. Diese kosten natürlich viel Geld, genauso wie das programmieren eines entsprechenden Filters, der all diese Verstöße erkennt. Zwar gibt es bei YouTube bereits das Content ID System, aber dieser erkennt bei weitem nicht jeden einzelnen Spongebob, oder jedes EA Logo was irgendwo in einem Video erscheint. Ob es aktuell überhaupt möglich ist einen solchen Filter zu programmieren, bleibt die Frage.

Wenn die Plattformen also die Gesetzesregelung nicht erfüllen können bleibt ihnen nichts anderes übrig als ihre Dienste in den betroffenen Ländern, also der EU, einzustellen. Dass wollen sie natürlich nicht und deshalb gibt es momentan den #SafeYourInternet Aufruf, mit dem gerade jüngere YouTuber viel Clickbait betrieben haben, ohne wirklich Fakten dazu zu kennen. Doch als wären die Millionen von YouTuber nicht genug, schickte nun auch Twitch CEO Emmet Shear eine Nachricht an die Benutzer, damit diese sich gegen den Artikel 13 stark machen, auf das unser europäisches Internet nicht kastriert wird. Mit dem #Articel13 sollen Benutzer in ihren Streams auf das Problem aufmerksam machen und so mehr Druck auf die Vertreter des Parlamentes machen.

Es sei von vorne herein gesagt: Es gibt im Prinzip nichts gegen eine Änderung des Urheberrechtes einzuwenden, oder eher einer Aktualisierung. Jeder Inhaber eines Urheberrechtes sollte zu seinen Rechten kommen. Aber ob die aktuelle Variante des Artikels 13 die richtige Wahl ist, bleibt zweifelhaft. Gerade dann wenn Leute im Parlament darüber abstimmen, die selbst nichts mit der Materie zu tun haben sondern nur das Papier sehen, wie es eben meistens so ist. Sollte der Artikel in seiner aktuellen Form beschlossen werden könnten wir in der EU eigentlich nur noch Videos und Bilder von den ganz großen Firmen sehen bzw von den kleinen Genies aus unserer Mitte, die absolut alles selber machen können. Alles was von außerhalb der EU stammt, würde bei uns nicht mehr angezeigt werden.

Doch eine Frage bleibt bei mir noch offen:
Liegt hinter dem Aufruf #SafeYourInternet wirklich nur die Sorge um die Internet-Freiheit der User und der Jobs in Europa, oder geht es den Plattformen nicht auch mehr um das Geld dass sie verlieren, wenn auf einem ganzen Kontinent nichts mehr erscheinen darf?

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